Morbus Alzheimer - schleichendes Vergessen

Wer leidet an Alzheimer?

Viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind an Morbus Alzheimer erkrankt. In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge rund eine Million Alzheimer-Patienten. Und bis zum Jahr 2030 rechnet man - als Folge der steigenden Lebenserwartung - bereits mit etwa zwei Millionen Erkrankten. Rund zwei Drittel der dementen (= an Geistesschwäche leidend) alten Menschen sind von Alzheimer betroffen.
Je höher das Alter, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, Alzheimer zu bekommen. Etwa drei Prozent der 65- bis 74-Jährigen und fast die Hälfte der über 85 Jahre alten Menschen sind Opfer dieses tückischen Gedächtnisverlustes. Oder andersherum: Mehr als 95 Prozent der Erkrankungen beginnen nach dem 65. Lebensjahr.

Welche Symptome kennzeichnen Alzheimer?

Nicht jeder, der Gedächtnislücken hat, leidet an Alzheimer. Vergesslichkeit gehört zum Altern dazu. Mit den heutigen Methoden lässt sich mittlerweile mit ziemlich hoher Sicherheit Alzheimer diagnostizieren. Zwar sind die Symptome nicht bei allen Patienten gleich. Es gibt jedoch einige typische Anzeichen:
Vergessen von kurz zurückliegenden Ereignissen bis hin zum völligen Verlust der Realitätswahrnehmung,
Schwierigkeit, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden, Probleme bei der Ausführung gewohnter Tätigkeiten, nachlassendes Interesse an Arbeit oder Hobbys, Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen.
Die Krankheit beginnt zunächst mit Gedächtnisausfällen. In der ersten Phase wird das Kurzzeitgedächtnis zerstört. Die Betroffenen können sich deshalb noch sehr gut an Ereignisse aus ihrer Kindheit erinnern, wissen aber nicht mehr, was vor fünf Minuten passiert ist.
Dann verliert der an Alzheimer Erkrankte nach und nach die Fähigkeit zu lesen, zu schreiben, einfache Rechenaufgaben zu lösen und zusammenhängende Sätze zu sprechen. Hinzu kommen die psychischen Beschwerden. Denn der Verlust ihrer Fähigkeiten beunruhigt Alzheimer-Patienten zutiefst. Sie sind ängstlich, leiden unter Stimmungsschwankungen und haben Halluzinationen.
Im Endstadium ist der Betroffene nicht mehr in der Lage, die einfachsten Alltagsverrichtungen zu erledigen. Er ist völlig verwirrt, erkennt niemanden mehr und kann auch die Blasen- und Darmfunktion nicht mehr kontrollieren. Selbst die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, geht nach und nach verloren.

Wodurch wird Alzheimer ausgelöst ?

Die Ursachen des Leidens sind bis heute noch weitgehend ungeklärt. Erwiesen ist jedoch, dass sich im Gehirn Eiweißmoleküle, sogenanntes Beta-Amyloid, zusammenklumpen und oft Zehntausende von Leitungen zerstören, die eine einzelne Nervenzelle im neuronalen Netzwerk besitzt. Dadurch wird die Weiterleitung von Informationen im Gehirn verhindert.
Gleichzeitig weisen Alzheimer-Patienten einen Azetylcholinmangel auf. Azetylcholin ist ein chemischer Stoff, der von einigen Nervenzellen produziert und abgegeben wird, um Informationen auf andere Zellen    zu    übertragen.

Während der Signalübertragung wird dieser von dem Enzym Azethylcholinesterase abgebaut.

Kann Alzheimer behandelt werden?

Bei Alzheimer gehen Nervenzellen und Nervenzellverbindungen zugrunde, die nicht wiederhergestellt werden können. Eine Heilung ist deshalb nicht möglich. Dennoch gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die die Lebensqualität der Patienten verbessern.
Medikamente
Die Cholinesterase-Blocker können den Azetylcholinmangel zumindest teilweise ausgleichen. Dadurch wird die Informationsverarbeitung im Gehirn zum Teil wiederhergestellt. Es kommt zu einer Verbesserung der Gedächtnisleistung und der Konzentration. Die Therapie mit Cholinesterase- Blockern führt dazu, dass Alltagsfähigkeiten weniger rasch verloren gehen als bei unbehandelten Patienten und dass die Pflegebedürftigkeit später eintritt.
Die Begleitsymptome der Alzheimer-Erkrankung können durch herkömmliche Mittel gedämpft werden: zum Beispiel Antidepressiva, Mittel gegen Unruhe, Wahngedanken und Sinnestäuschungen (Neuroleptika), angstlösende Präparate oder Anti-Parkinson-Mittel.


„Gedächtnistraining“:
Die Unfähigkeit zu lernen ist eines der Kennzeichen von Alzheimer. Deshalb sind herkömmliche Gedächtnistrainings nicht für Alzheimer-Patienten geeignet. Sie führen ihnen nur ihre Mängel vor Augen und rufen Enttäuschung oder sogar Verärgerung hervor. Andere Verfahren der geistigen Aktivierung haben jedoch gute Erfolge gezeigt.


Mehrere Fähigkeiten werden gemeinsam trainiert:
Zum Beispiel Sprache, Bildergedächtnis und Koordinationsfähigkeit: Durch Erzählungen von Geschichten aus der Vergangenheit und gleichzeitiges Betrachten von alten Fotos oder durch Bewegungsspiele mit Musik.


Routinetraining:
Zunächst muss festgestellt werden, welche Fähigkeiten noch gut ausgebildet sind. Darauf aufbauend werden dann Routineabläufe bei Denkvorgängen und körperlichen Tätigkeiten trainiert: etwa wie ein Telefon zu benutzen ist oder wie man sich wäscht.


Verknüpfungstraining:
Man versucht, dieselben Informationspaare (zum Beispiel Name und Gesicht) in jeweils längeren zeitlichen Abständen abzufragen.


Orientierungstherapie:
Der Patient erhält wiederholt Informationen zu Tageszeit, Wochentag, Tagesabläufen und den dabei anfallenden Tätigkeiten. Damit lässt sich eine die zeitliche Orientierung verbessern.


Erinnerungsübungen:
Durch Verwendung von Gedächtnisstützen aus der Vergangenheit des Patienten – den bereits erwähnten Fotoalben oder Musikstücken und Filmen aus seiner Jugend - werden Erinnerungen geweckt und gleichzeitig das Gedächtnis trainiert. Ein positiver Nebeneffekt ist die Steigerung des Selbstwertgefühls, wenn die Patienten merken, dass ihr Gedächtnis doch noch funktioniert.
Ähnlich arbeitet auch die Selbsterhaltungstherapie. Dabei versucht man, dem Patienten mit Hilfe der Bezugspersonen das Gefühl für sein eigenes Ich und für seine Umgebung wiederzugeben.

Perspektiven

Wichtig ist die Diagnose in einem möglichst frühen Krankheitsstadium, wenn noch möglichst viele Nervenbahnen im Gehirn intakt sind. Zwar gilt auch hier: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Doch der erreichte Aufschub bringt einen wertvollen Zeitgewinn mit mehr Lebensqualität.
Natürlich bedeutet eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs auch eine Entlastung für die Angehörigen. Immerhin leben 80 Prozent der an Alzheimer Erkrankten zu Hause, in ihrer gewohnten Umgebung, und die Familien müssen oft 50 und mehr Arbeitsstunden in ihre Pflege investieren. Oft ist die Aufnahme in ein Pflegeheim – zunächst – nicht notwendig.
Adressen von Selbsthilfegruppen und Informationsmaterial über die Erkrankung können Betroffene zum Beispiel bei der Alzheimer-Hilfe anfordern.
Ein von Folstein und Mitarbeiten ausgearbeiteter Fragebogen hilft bei der Einschätzung, ob bei einem Menschen Verdacht auf Demenz besteht.